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Der Pleonasmus

Eine tote Leiche, flüssiges Wasser und radioaktives Uran haben eines gemeinsam: Es handelt sich bei diesen Formulierungen um Pleonasmen. Der Pleonasmus bezeichnet eine rhetorische Erscheinung, bei der ein Begriff mit einem scheinbar erklärenden, tatsächlich aber redundanten Begriff verknüpft wird. Eine Leiche ist immer tot, Wasser ist nun mal flüssig, sonst wäre es Eis oder Dampf – die Beschreibung ist also überflüssig. Diese Figur kann aus dem Unwissen des Sprechenden über einen bestimmten Sachverhalt resultieren, so z.B. wenn von der La-Ola-Welle die Rede ist und das Wissen darüber fehlt, dass „la ola“ nichts anderes als „die Welle“ heißt. Der Pleonasmus muss aber nicht aus Unwissenheit resultieren, sondern kann auch als rhetorisches Mittel benutzt werden – allerdings eher selten, da hier eher auf die Tautologie zurückgegriffen wird.

Verschiedene Arten von Pleonasmen

Nicht nur der schwarze Rappe ist ein Pleonasmus, sondern auch Begriffe, die häufig gebraucht werden, ohne dass der Fehler sofort ins Auge springt. Man kann je nach Art des Irrtums unterschiedliche Ausprägungen unterscheiden:

  • eine rhetorische Figur, die bewusst genutzt wird (heiß glühende Liebe)
  • stilistische Auffälligkeit (HIV Virus – das V steht bereits für Virus, zusammenaddieren)
  • ein feststehender Ausdruck, der aus mangelndem Begriffsverständnis entstanden ist (Düsenjet, La-Ola-Welle)
  • eine Steigerung nicht absoluter Adjektive (am optimalsten wäre, im wahrsten Sinne des Wortes)
  • ein etymologischer Pleonasmus, also ein Begriff, der in einer früheren Bedeutung einen Pleonasmus dargestellt hätte, heute aber nicht mehr (Volksdemokratie, Guerrillakrieg)

Pleonasmus oder Tautologie?

Gerne wird der Pleonasmus mit der rhetorischen Figur der Tautologie verwechselt. Diese wiederholt zwei sachlich gleiche Begriffe, um dem Gesagten mehr Nachdruck zu verleihen (ganz und gar, nie und nimmer).
Beide Begriffe werden immer wieder synonym verwendet, obwohl sie durchaus klar zu unterscheiden sind. Während der Pleonasmus nur in ganz seltenen Fällen sinnvoll als Stilmittel eingesetzt werden kann und meistens auf mangelnde Fertigkeiten des Sprechers oder des Schreibenden hindeuten, wird die Tautologie bewusst eingesetzt, um einen Sachverhalt zu unterstreichen.

Pleonasmus oder Hendiadyoin?

Verwechslungsgefahr droht auch mit der Figur des Hendiadyoins. Hier handelt es sich nicht um eine überflüssige Beschreibung, sondern um die Verknüpfung zweier Begriffe, die zusammen einen feststehenden Begriff mit neuem Sinn bilden. „Hab und Gut“ bezeichnet den gesamten Besitz, „recht und billig“ ist ein feststehender juristischer Ausdruck. Von einem Irrtum des Sprechenden kann in diesem Fall keine Rede sein.

Das bekannteste Schulbeispiel ist kein echter Pleonasmus, denn Schimmel sind die meiste Zeit ihres Lebens nicht richtig weiß.

Das bekannteste Schulbeispiel ist kein echter Pleonasmus, denn Schimmel sind die meiste Zeit ihres Lebens nicht richtig weiß.

Der berühmte weiße Schimmel

Das liebste Schulbeispiel ist übrigens kein Pleonasmus: Die meisten Schimmel sind gar nicht weiß, so dass der Hinweis auf die Farbe völlig richtig ist.