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Das Hendiadyoin

Der Begriff des Hendiadyoin mag nicht jedem gleichermaßen geläufig sein. Er entstammt dem Griechischen und bedeutet im Grunde „eins durch zwei“. Hiermit ist die Grundcharakteristik des Hendiadyoin bereits treffend beschrieben. So handelt es sich bei selbigem um eine Stilfigur der Rhetorik, welche sich dadurch auszeichnet, dass sie einem Wortpaar eine gemeinsame Bedeutung zuweist.

Das Hendiadyoin besteht somit stets aus zwei Wörtern, welche, in sogenannten Paarformeln auftretend, einen gemeinsamen Begriff beschreiben.

Ganz ähnliche verhält es sich jedoch auch mit den Stilfiguren der Tautologie, des Oxymoron und des Pleonasmus. All diese rhetorischen Mittel sind in Paarformeln aufgebaut und zuweilen schwer unterscheidbar. Besonders problematisch kann die Differenzierung zwischen Hendiadyoin und Tautologie sein. Tatsächlich sind diese nicht immer zweifelsfrei voneinander abgrenzbar. Bei genauer Betrachtung lassen sich jedoch einige grundsätzliche Unterscheidungskriterien erkennen.

Die Tautologie zeichnet sich durch die inhaltliche Wiederholung eines Begriffs aus. Sie verwendet zwei synonyme Begriffe, welche wechselseitig ihre Bedeutung verstärken. Sie ändert nicht die Sinnhaftigkeit einer Aussage, vermag diese jedoch zu unterstreichen, wie sich an den Beispielen „ganz und gar“, „immer und ewig“, „nie und nimmer“ erkennen lässt.

Im Gegensatz dazu ist dem Hendiadyoin die synonyme Begriffsnutzung in dieser Art nicht eigen. Vielmehr werden zwei in der Regel thematisch verwandte Begriffe herangezogen, um als Wortpaar eine neue Bedeutung auszudrücken. Das einzelne Wort wird hierbei nicht verstärkt sondern fügt sich in eine gemeinsame Sinngebung. Eines der beiden Worte alleine könnte die beabsichtigte Bedeutung nicht zum Ausdruck bringen.

"Feuer und Flamme" ist nur in der Paarformel ein Hendiadyoin, alleine wären die Begriffe der übertragenen Bedeutung "begeistert" beraubt.

“Feuer und Flamme” ist nur in der Paarformel ein Hendiadyoin, alleine wären die Begriffe der übertragenen Bedeutung “begeistert” beraubt.

Erkennen lässt sich dieser Sachverhalt beispielsweise an der Wendung „Feuer und Flamme sein“. Die Worte „Feuer“ und „Flamme“ sind zwar synonym verwendbar, verstärken sich jedoch nicht in ihrer Wirkung. Tatsächlich ist die Wendung gar ihres Sinnes beraubt, sollte einer der Begriffe fehlen. So suggeriert die Aussage „Feuer zu sein“, sich tatsächlich für Feuer zu halten. Erst durch Bildung der Paarformel „Feuer und Flamme“ wird die Aussage bedeutungsgleich mit „begeistert sein“ und erfüllt damit die Charakteristik des Hendiadyoin.

Das Hendiadyoin ist somit viel alltäglicher als es zunächst klingen mag und taucht in geläufigen Wendungen wie „angst und bange“, „dies und das“, „Schloss und Riegel“ oder „Wind und Wetter“ auf.